Zweiter toter Häftling in NRW: Gestorben nach Angriff auf die Beamten

Werl: Am Samstag griff ein Häftling plötzlich einen Justizbeamten an. Anschließend wurde der Mann überwältigt und gefesselt. Dann stirbt er.

In einer Justizvollzugsanstalt in Werl (NRW) spielte sich am Wochenende ein merkwürdiger und dramatischer Vorfall ab. Ein 59-jähriger Häftling soll plötzlich einen Justizbeamten in seiner Zelle angegriffen haben. Daraufhin griffen weitere Justizbeamte in das Geschehen ein und konnten den Häftling überwältigen und fesseln. Kurz darauf verliert der Mann sein Bewusstsein und hört auf zu atmen. Sanitätsbeamte leiteten vergebens Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Ein Notarzt wurde hinzugerufen. Doch der Mann starb noch in der Zelle.

Mordkommission wurde eingeschaltet
Das Polizeipräsidium Dortmund entsendete umgehend eine Mordkommission, um die genauen Todesumstände zu klären. Danach erklärten die Staatsanwaltschaft Arnsberg und die Polizei Dortmund in einer gemeinsamen Presseerklärung: „Die durchgeführten Ermittlungen und eine Obduktion des 59-Jährigen haben keine Hinweise auf ein fremdverschuldetes Todesgeschehen ergeben. Der Häftling verstarb an einem plötzlichen Herztod. Äußere Einwirkungen konnten vom Gerichtsmediziner als Todesursache ausgeschlossen werden.“

Zweiter toter Häftling in NRW
Im knapp 160 km entfernten Kleve (ebenfalls NRW) ist vor wenigen Wochen auch ein Häftling unter auffälligen Todesumständen ums Leben gekommen. Dort wurde ein 26-jähriger Mann aus Syrien bei einem Brand in seiner Gefängniszelle so schwer verletzt, dass er kurz darauf starb. Die Behörden stellten nach dem Vorfall fest, dass der 26-Jährige zwei Monate lang zu Unrecht im Gefängnis gesessen hatte, weil er mit einem Mann aus Mali verwechselt worden war. Die Aufklärung in dem Fall verläuft jedoch zäh. Nach Informationen von ZEIT ONLINE kamen erst zweieinhalb Wochen nach dem tödlichen Brand am 17. September Brandsachverständige zum Brandort. Die Staatsanwaltschaft in Kleve hätte zwar nach dem Brand ein Gutachten angefordert, warum dieses so lange auf sich warten ließ, wusste sie jedoch nicht zu beantworten. Anstatt einer sachlichen Aufklärung wurden wilde Spekulationen um die Brandursache gestreut. Erst war von einer vergessenen Zigarette die Rede, später von Selbstmord. Der Gefangene soll psychisch labil gewesen sein.

Der Verbrannte hatte den Alarmknopf betätigt
Aus dem vermeintlichen Unfall wurde ein Justizskandal, der die Landesregierung in NRW noch immer beschäftigt. Denn fast vier Wochen nach dem Geschehen ergaben die Recherchen mehrerer Zeitungen, darunter die BILD-Zeitung und der Kölner Stadt-Anzeiger, dass der Häftling vor seinem Ableben den Alarmknopf betätigt hätte. In einem solchen Fall erhalten Strafvollzugsbedienstete ein Lichtsignal. Im jüngsten, bekannt gewordenen internen Bericht des Ministeriums hieß es, dass geklärt werden müsse, ob und wann dieses Alarmsignal deaktiviert wurde.