Wird unsere Sonne verdunkelt, um den Klimawandel zu bremsen??

Was wie ein düsterer Science-Fiction klingt, meinen US-Wissenschaftler wirklich ernst: Ihre Idee ist es, die Sonne zu verdunkeln, um den Klimawandel aufzuhalten.

Wissenschaftlern der Universitäten Harvard und Yale veröffentlichten am Freitag einen hochmütigen Plan, um der Klimaerwärmung entgegenzutreten: Sie wollen die Sonne verdunkeln oder besser gesagt, die Erde vor ihr abschirmen. Laut einer Studie aus den Elitehäusern könnten die Konsequenzen der Klimaerwärmung so halbiert werden.

Und so könnte das funktionieren: Etwa 20 Kilometer über der Erdoberfläche sollen tausende winzige Sulfat-Partikel mittels Luftschiffen oder Ballons versprüht werden. Diese würden einen Teil der Sonnenstrahlung abfangen und somit der Klimaerwärmung entgegenwirken – Sonnenspray für die Erde quasi.

Sonnenschutz für 2,25 Mrd Dollar pro Jahr
Aktuell ist das Verfahren allerdings noch nicht umsetzbar. Die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die notwendige Technologie innerhalb der nächsten 15 Jahre entwickelt werden könnten. Die Kosten dafür sollen bei etwa 3,5 Milliarden Dollar liegen. Die laufenden Kosten des Sonnenschutzes könnten sich daraufhin auf 2,25 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen. Die zuständigen Forscher bewerten diese Problemlösung für die Herausforderungen des Klimawandels als „bemerkenswert günstig“. Dennoch wäre eine solches Vorgehen nur denkbar, wenn die Staaten der Erde sich einheitlich darauf einigen würden.

Skepsis aus der Wissenschaft
Erste Klimaexperten äußerten bereits Bedenken zu der Sonnenschutz-Idee. Das Verfahren sei vergleichsweise riskant und teuer, meint etwa Philippe Thalmann, der in der Schweiz zu Fragen der Umweltökonomie forscht, gegenüber CNN. Auch David Archer, Professor für Geophysik an der Universität Chicago kritisierte das Konzept: „Das Problem ist, dass mit einem solchen Eingriff immer nur eine temporäre Lösung schafft. Das Problem wird aber möglicherweise für ewig bestehen bleiben.“

Rapide Ozonzerstörung durch Geo-Engineering zu befürchten
Ähnliche Ideen werden bereits seit Jahren in der Wissenschaft diskutiert. 2008 warnten Wissenschaftler des National Center for Atmospheric Research und der der University of Maryland vor den Risiken von „Geo-Engineering“ mittels Sulfaten in der Atmospähre. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser Ansatz einer künstlichen Verringerung der globalen Erwärmung große Risiken mit sich bringen würde“, sagt Klimaforscherin Simone Tilmes. Demnach könnten Sulfatpartikel stratosphärisches Chlor chemisch so verändern, dass es eine rapide Ozonzerstörung verursachen würde. So könnten zwischen einem Drittel und der Hälfte der Ozonschicht über der Arktis zerstört werden, so die Wissenschaftler in einer „Science“-Veröffentlichung 2008.