Verzweiflungsakt: IWF will Bargeld entwerten

Sparer sollen ihres Bargeldes beraubt werden – so verzweifelt sind die Hüter der Währung.

Während die CDU den Grenzschutz reformiert und die SPD ihre soziale Seite neu erfindet, werden in Washington ganz andere Themen diskutiert: Die Währungshüter des Internationalen Währungsfonds (IWF) möchten unter anderem europäischen Sparern das Bargeld wegnehmen und es deshalb entwerten.

Wie die WELT deutlich zusammen fasste, liegt der Leitzins in Dänemark, Großbritannien und Norwegen bei unter einem Prozent, in der Euro-Zone beträgt er genau null – und die Notenbanken in der Schweiz, in Schweden und Japan operieren sogar mit negativen Leitzinsen. Das heißt, die Europäische Zentralbank hat ihren Hebel zur Rettung der Währung bereits bis zum Anschlag ausgereizt. Niedrige Zinsen bzw. Negativzinsen sollen die Menschen dazu animieren, zu konsumieren anstatt zu sparen. Die Geldhüter des IWF haben nun erkannt, dass viele Sparer dazu neigen, ihr Geld unter dem Kopf Kissen vor Negativzinsen und sonstigen unerwünschten Eingriffen aus Washington, Brüssel oder Berlin zu schützen. Gegen Bargeld ist der Leitzins machtlos. Deshalb möchten die Fachleute in Washington das Bargeld loswerden oder zumindest gemäß Leitzins entwerten. Die Idee: Zwischen Bargeld und elektronischem Geld soll ein Umtauschwert eingeführt werden, der das Bargeld genauso unattraktiv macht, wie Spareinlagen auf der Bank.

Wenn sich der IWF-Vorschlag durchsetzte, „wäre es für Deutschland Zeit, den Euro aufzugeben“ sagte Hans-Werner Sinn, der langjährige Präsident des Münchner ifo-Instituts im Interview mit der WELT. Das Parallelwährungsmodell wäre „die lange befürchtete Währungsreform, bei der die Bargeldbestände entwertet werden“, folgert Sinn. „In Deutschland wird besonders viel Bargeld gehalten, weil die viele Liquidität, die die EZB geschaffen hat, hierhin überwiesen wurde, um Immobilien, Aktien und Firmen zu kaufen. Damit ist auch schon klar, wer hier geschröpft werden soll.“ Deutschland habe „durch die niedrigen Zinsen schon etwa 700 Milliarden Euro verloren“, so Sinn, das Bargeld aber habe „der Ausbeutung der Sparer noch eine Grenze gesetzt, weil es eine Zinsuntergrenze von null implizierte. Man arbeitet nun aber in Washington offenbar fieberhaft daran, auch diese Grenze zu schleifen.“

Auch der Focus Online-Finanzexperte Egmond Haidt kommentierte die Idee niederschmetternd: „Die anhaltenden Pläne des IWF über die quasi weltweite Einführung von Strafzinsen sollte jedem Bürger klarmachen, wie es um die Weltwirtschaft steht. Da können nur alle Alarmglocken schrillen. Nach der Schuldenexplosion der vergangenen Jahre sind der IWF und viele andere Experten der Überzeugung, dass man das System nur noch mit Strafzinsen, also der Enteignung der Sparer, am Laufen halten kann.“