Vermisste Tochter nach 20 Jahren wieder aufgetaucht

Eine vierjährige Weißrussin verschwindet 1999 aus einem Zug. Ihre Eltern wissen zwanzig Jahre lang nicht, was aus ihr geworden ist. Zwischenzeitlich werden sie gar verdächtigt, ihre Tochter selbst getötet zu haben. Dank dem Internet gibt es nun ein tränenreiches Happy End.

Eine weißrussische Familie ist rund 20 Jahre nach dem unerklärlichen Verschwinden der vierjährigen Tochter glücklich wiedervereint. Über das Internet konnte der Freund der nun erwachsenen Tochter die leiblichen Eltern seiner Freundin über eine alte Vermisstenanzeige ausfindig machen.

Wie die britische „Sun“ und der „Daily Mirror“ berichten, reiste der Vater damals mit seiner Tochter Yulia Gorina mit dem Zug von Minsk nach Asipovichy. Auf der rund 100 Kilometer langen Fahrt schläft der Vater Viktor Moiseenko aber ein. Die Tochter ist verschwunden, als er wieder aufwacht. Später wird die Vierjährige am Bahnhof von Ryazan in Russland gefunden. Das ist rund 900 Kilometer vom eigentlichen Ziel der Reise entfernt. Bis heute ist nicht restlos geklärt, wie Yulia dort hingelangte. Die Behörden gehen davon aus, dass sie entführt wurde. Sie kann sich lauf dem „Daily Mirror“ lediglich daran erinnern, dass sie von einem Paar mitgenommen wurde und danach sehr lange Zug gefahren ist.

Vergeblich versuchen die Behörden, die Eltern des Mädchens ausfindig zu machen. In der Zwischenzeit landete Yulia in einem Kinderheim und dann in einer Adoptivfamilie. Und auch in Weißrussland gibt es keine Spuren des kleinen Mädchens. „Tagelang haben wir jeden Zug zwischen Minsk und Asipovichy genommen, haben Passagiere gefragt ob sie Yulia gesehen haben, haben Geschäfte und verlassene Gebäude durchsucht“, sagte ihre Mutter Lyudmila Moiseenko dem „Mirror“. „Es war unglaublich schmerzhaft, all die Jahre damit leben zu müssen, nicht zu wissen, was unserer Tochter passiert ist. Wir hassen es, Züge zu sehen.“ Sie werden zwischenzeitlich sogar selbst verdächtigt, ihre Tochter umgebracht zu haben.

Vater bittet um Verzeihung

Die Tochter selbst hört in Russland nie auf, ihre leiblichen Eltern zu suchen. Von ihrer Suche erzählt sie auch ihrem Freund Ilya Kryukov. Und nach 20 Jahren passiert das Unglaubliche: Im Internet stößt Kryukov auf Berichte über ein 1999 verschwundenes Mädchen aus Weißrussland. „Ich begann die Berichte zu lesen und als ich realisierte, dass so viele Fakten mit mir übereinstimmen, fing ich an zu weinen“, sagt Yulia Gorina dem „Daily Mirror“.

Zu einer tränenreichen Wiedervereinigung kommt es schließlich in einer weißrussischen Polizeistation. Yulias Vater bittet seine Tochter, die mittlerweile 24 Jahre alt ist, immer und immer wieder um Verzeihung dafür, dass er sie damals verloren hat. „Zwanzig Jahre ist wie ein ganzes Leben, aber wir haben die Hoffnung nie aufgegeben – und jetzt haben wir uns gefunden“, so Mutter Lyudmila. Und auch der DNA-Test bestätigt, dass Yulia die verlorene Tochter ist. „Wir sind uns so ähnlich, schon als wir die Fotos des jeweils anderen gesehen hatten, gab es keine Zweifel mehr“, sagte die 24-Jährige.