„Skorpion“-Bande aus dem Ruhrgebiet verurteilt: vier Jugendstrafen

Sie fuhren ihre Opfer in den Wald, wo keiner die Schreie hörte. Sie vergewaltigten Minderjährige, in der Gruppe, geplant, brutal und in Serie. Die jungen Männer erhielten nun Haftstrafen von drei bis sechs Jahren und drei Monaten.

Sie nannten es „Skorpion machen“, wenn sie loszogen, um Schülerinnen gemeinschaftlich und brutal zu vergewaltigen. Das Landgericht Essen hat die fünf Täter – zur Tatzeit zwischen 15 und 24 Jahre alt – nun zu Jugend- und Haftstrafen verurteilt.

Geplante Taten in Serie
Die Taten wurden über den Messenger WhatsApp abgesprochen. Jeweils einer der Täter verabredete sich mit einem Mädchen und holte sie mit dem Auto ab. Unter einem Vorwand nahm man ihr das Handy ab. Dann stiegen die Anderen dazu ein. Zur Dämmerung wurde das Opfer in ein Waldstück gebracht und dort zum Sex gezwungen. Die Täter sollen den Mädchen dann erklärt haben: „Du musst mit uns allen ficken, sonst kommst du nicht mehr nach Hause.“ Unter weiteren Gewaltandrohungen wurden die Schülerinnen dann zum Oralsex gezwungen und durch den Unterleib vergewaltigt.

„selbstherrlich und frauenverachtend“
Seit knapp einem halben Jahr lief der Prozess gegen die fünf jungen Männer. Während der Prozesstage offenbarte sich ein skrupelloses, frauenverachtendes Tatmuster, schrieb die „Welt“. Die zur Tat größtenteils Jugendlichen hatten sich in WhatsApp-Gruppen mit den Namen „Spinnen GE“ und „Skorpion MC 1 %“ abgesprochen und im Nachhinein mit ihren Taten geschmückt.

Ermittler fanden zahlreiche Nachrichten, die sexuelle Handlungen thematisierten und die Opfer herabwürdigten. Einer der Täter hatte klargestellt: „Wenn es um Sex geht, gehe ich über Leichen“. Der Ton innerhalb der Bande sei „selbstherrlich und frauenverachtend“, sagte Richter Uhlenbrock. Die Taten seien „abscheulich“, allerdings hätten sich nicht alle Täter „gleich gruselig verhalten“, so der Richter.

Einem Opfer gelang die Flucht
Eines der Opfer wusste um den Hintergrund der Täter und drohte ihnen, sie in ihrer Gemeinde zu verraten. Außerdem soll sie durch Schlagen, Schreien und Drohungen überzeugt haben und wurde schließlich wieder nach Hause gefahren. Andere Opfer hatten weniger Glück. Sie litten zuerst unter Verletzungen im Unterleib, dann unter Albträumen, Angstzuständen und Flashbacks. Einige befinden sich bis heute in traumatherapeutischer Behandlung.

Die Opfer hatten ihre Aussagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht. Drei von ihnen hatten Anzeige erstattet. Angeklagt waren insgesamt sieben Tatbestände der Vergewaltigung. Die Täter waren daran unterschiedlich beteiligt. Nach SPIEGEL-Informationen, schließen die Ermittler nicht aus, dass es noch weitere Fälle gäbe, dass die Opfer jedoch aus Scham oder Angst schwiegen.