Schwerer Missbrauch: Schwimmlehrer verging sich an 37 Kindern

Perverser Schwimmlehrer missbrauchte 37 Mädchen in Baden-Württemberg. Sein jüngstes Opfer war erst vier Jahre alt.

Ein Schwimmlehrer aus Baden-Württemberg wurde wegen 133 teils schweren Missbrauchsfällen an 37 Mädchen zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haftstrafe verurteilt. Nach Ablauf der Gefängnisstrafe soll der Pädophile in Sicherheitsverwahrung überführt werden.

Die verurteilten Taten des 34-jährigen Schwimmlehrers fanden zwischen Oktober 2015 und September 2017 im Kreis Rastatt, Ortenaukreis, Kreis Calw sowie in Lörrach und Baden-Baden statt. Laut Anklage verging sich der Mann im Schwimmbecken oder in der Umkleidekabine an seinen Opfern. Neben drei Fällen von „schwerem Missbrauch“ wurden dem Täter auch Nötigung, Körperverletzung und massive Einschüchterung einiger Kinder zur Last gelegt. Sein jüngstes Opfer war gerade einmal vier Jahre alt.

Fotos und Videos beweisen die Taten
Meist erweisen sich Missbrauchsfälle als schwer zu verurteilen, weil vor Gericht oft Aussage gegen Aussage steht. In diesem Fall fanden die Ermittler eine Fülle an Beweismaterial in der Wohnung des Täters. Der hatte einige seiner Übergriffe mit einer Unterwasserkamera gefilmt oder fotografiert. Die Aufnahmen wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellt.

Volle Schuldfähigkeit
Der Verurteilte hatte während des Prozesses durch seinen Anwalt mitteilen lassen, dass er die Missbrauchsfälle zwar gestehe aber sein Vorgesetzter ihn zu einem Teil der Taten gezwungen habe. Er behauptete, sein ehemaliger Chef hätte ihn erpresst. Die Vorwürfe erwiesen sich im Verlauf der Ermittlungen als haltlose Schutzbehauptung. Ein Sachverständiger bestätigte vor Gericht, dass der Angeklagte pädophile Neigung habe und volle Schuldfähigkeit trage.

„Wenn Erwachsene nicht reagieren, akzeptiert das Kind die Vorgänge“
Die Süddeutsche Zeitung bat Bettina Rulofs von der Deutschen Sporthochschule um ein Interview. Die Forscherin befasst sich seit Jahren mit dem Thema sexuelle Gewalt im Sport. Sie erklärt gegenüber der SZ, dass das Thema trotz vieler Bemühungen nur zäh an der Basis des Sports ankäme. „Gerade die kleinen, von Ehrenamtlichen geführten Klubs“ sagt Rulofs „halten das Thema für kaum relevant“.

Eltern rät die Expertin, Andeutungen von Kindern ernst zu nehmen. „Wenn Erwachsene darauf nicht reagieren, akzeptiert das Kind die Vorgänge“, erklärt Rulofs. Dabei würden Kinder bei den ersten Andeutungen oft noch gar nicht die ganz schlimmen Dinge erzählen, weil damit Scham verbunden sei. Deshalb gelte es immer wieder nachzufragen: „Wie empfindest du das? Was sagen die anderen? Bist du allein mit dem Trainer?“