Polizei sprengt Ring von Autoschiebern

Eine Gruppe von Autoknackern treibt über Jahre in Baden-Württemberg ihr Unwesen. Vor allem auf BMW-Modelle hatten sie es abgesehen. Ermittler haben nun die Bande unschädlich gemacht. Besonders kurios: Alle 13 Beschuldigten stammen aus derselben Kleinstadt in Litauen.

Ein kleiner Schlag und schon ist das kleine Autofenster zersplittert. Nun ist es nur noch ein kurzer Weg und das Navi, das Radio, der Airbag oder das Lenkrad sind weg. Meist bleibt nur ein zertrümmertes Armaturenbrett übrig. Es war für die mutmaßlichen Autoknacker aus Litauen, die nun gefasst wurden, ein sehr lukratives Geschäft.

Bei mehreren Millionen Euro Schaden liegen die mindestens 279 Einzeltaten, die bisher aufgeklärt worden sind. Das teilten die Staatsanwaltschaften Heilbronn und Mosbach mit. Besonders beliebt waren bei der Bande BMW-Modelle. 13 Verdächtige hat die Polizei sei Dezember 2017 festgenommen, einige sind bereits verurteilt, andere warten noch auf ihren Prozess. Alle Männer stammen aus der litauischen Stadt Panevezys, sie waren in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und Belgien auf Beutetour.

Diese Autoknacker-Banden, die straff organisiert sind, haben es besonders auf die fest verbauten Navis und die Airbags abgesehen. „Zahlreiche Festnahmen litauischer Staatsangehöriger sorgen für eine abschreckende Wirkung“, erklärt das LKA im Sicherheitsbericht für Baden-Württemberg. Dazu haben auch gemeinsame Ermittlungsgruppen mit Litauen geführt.

Über Litauen verlaufen Verschieberouten nach Asien

Der baltische Staat ist ein führender illegaler Absatzmarkt für gestohlene Produkte in Osteuropa, wie das BKA mitteilte. Auch ist Litauen ein bekanntes Transitland: „Über diese Staaten verlaufen auch die Hauptverschieberouten entwendeter Kraftfahrzeuge in Richtung Zentralasien“, heißt es beim BKA. Die Wagen werden dort in der Regel zerlegt, nachdem die geknackten Autos oder Teile ins Ausland geschmuggelt wurden. „Insbesondere in afrikanischen und osteuropäischen Staaten besteht nach wie vor eine hohe Nachfrage nach günstigen Kfz-Ersatzteilen“, heißt es im Bundeslagebild Kfz-Kriminalität des BKA. „Diese kann durch die Entnahme von Ersatzteilen aus entwendeten Kfz gedeckt werden.“ Die einzelnen Teile wie Airbags oder Navis würden dann, wie auch größere Komponenten wie Motoren, Getriebe aber auch Karosserieteile, über einschlägige Internetportale vertrieben.

Wie das BKA weiter mitteilt, lohnt sich für die Täter vor allem das geringe Risiko: „Beim Diebstahl von Kfz-Teilen handelt es sich um ein Massendelikt, bei dem hohe kriminelle Erträge einer in der Regel geringen Straferwartung gegenüberstehen.“ Hingegen machen die Ermittler den Autobesitzern wenig Hoffnung: Dieses Phänomen werde „ein attraktives Betätigungsfeld für Straftäter bleiben“. Dabei gehen die Autodiebe immer professioneller vor und sind flexibel bei der Tatplanung. Die Banden arbeiten oft in „netzwerkähnlich organisierten Strukturen“. Sie teilen sich dabei die Beutezüge und die Hehlerei auf.

Banden sind arbeitsteilig organisiert

„In der Regel sind die verschiedenen Ebenen einer Tätergruppierung voneinander abgeschottet, und nur selten hat der einzelne Tatbeteiligte Kenntnis über den Gesamtablauf einer Kfz-Verschiebung“, erklärt das BKA in seinem Bundeslagebild. Die Diebe sind dabei stets auf der Höhe der Zeit: „Die Tätergruppierungen arbeiten mit elektronischen Überwindungstools, mit denen sie in der Lage sind, die Sicherungseinrichtungen auch neuer Fahrzeuggenerationen unwirksam zu machen.“ Besonders Abnehmer in Asien verlassen sich auf erfolgreiche Beutezüge in Deutschland. Wie der Kfz-Gewerbeverband mitteilte, werden dort Neuwagen oft ohne Zubehör geordert, um diese dann mit Ware aus dem Internet nachzurüsten. BMW geht mittlerweile in die Offensive. So werden in China nur noch Modelle mit Navi ausgeliefert, damit die Hehlerware weniger Chancen auf Abnahme hat, sagte ein Sprecher des Unternehmens in München.