Mutter vor Gericht: Baby fast zwei Jahre im Auto versteckt

Eine mehrfache Mutter muss sich vor Gericht verantworten, weil sie ein Baby fast zwei Jahre lang im Auto verwahrlosen ließ.

Die französische Justiz verhandelt seit Monaten über einen Fall, der sprachlos macht. Eine Mutter in Frankreich, sie hatte bis dahin bereits drei Kinder, bekam heimlich ein viertes Kind. Dieses integrierte sie jedoch nicht in die Familie, sondern versteckte es vor allen. Im Kofferraum ihres Autos!

Als die inzwischen 50-Jährige ihr Auto zur Reparatur in einer Werkstatt ließ, fielen den Automechanikern merkwürdige Geräusche im Kofferraum auf. Ein Handwerker sah nach und traute seinen Augen kaum: Im Kofferraum lag ein nacktes, völlig verwahrlostes kleines Mädchen. Der Automechaniker Guillaume I. aus dem südwestfranzösischen Terrasson, der das Mädchen gefunden hatte, beschrieb den Anblick als „grauenhaft“. Es war „ein kleines Mädchen in seinen Exkrementen, das seinen Kopf nicht halten kann, die Haut weiß wie Marmor und Augen, die sich verdrehten.“

Drei weitere Kinder
Zunächst waren beide Eltern festgenommen worden. Im Laufe des Verfahrens, glaubten die Ermittler jedoch, dass der Ehemann nichts von dem versteckten Kind gewusst hatte. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Der Mutter drohen 20 Jahre Haft. Das Paar hat drei weitere Kinder. Sie sollen den Behörden zufolge normal entwickelt sein, gingen zur Schule und seien nie aufgefallen. Nach Festnahme wurden sie in einer Pflegefamilie untergebracht, inzwischen leben sie wieder bei ihren Eltern.

Dauerhafte Folgeschäden
Das gefundene Mädchen, Séréna, lebt inzwischen in einer Pflegefamilie. Aus den vor Gericht gelesenen Gutachten geht hervor, dass Séréna unter „dauerhaften“ Folgeschäden wie einem „voraussichtlich irreversiblen Autismus“ leidet.

Hatte die Frau eine postpartale Psychose?
Laut Ärzteblatt erkranken Mütter mit einer Häufigkeit von unter 2 Prozent an einer sogenannten postpartalen Psychose. Zu den heftigsten Symptomen zählen Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Verwirrtheit, begleitet von „untypischem Verhalten“. So könnte es auch im Fall aus Frankreich geschehen sein. Oft merken Betroffene selbst nicht, dass sie krank sind.

Das Spektrum postpartaler psychischer Erkrankungen, also psychischer Leiden in Folge einer Entbindung, reicht von einem Babyblues (einer kurzzeitigen depressiven Verstimmung) über die anhaltende Depression bis zur Psychose mit extremen Verhaltensauffälligkeiten. Häufig schämen sich die betroffenen Mütter und versuchen deshalb alleine mit ihrem Problem zurechtzukommen. Experten raten jedoch, in jedem Fall Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch die betroffenen Kinder leiden häufig unter den Begleitumständen und tragen im Extremfall bleibende Schäden davon.