Mutmaßlicher Identitätsdiebstahl auf ISS

Premiere im Weltraum. Sowohl die NASA als auch die US-Verbraucherschutzbehörde untersuchen aktuell die womöglich erste Straftat im Weltall. So soll eine amerikanische Astronautin sich unberechtigterweise Zugang zum Onlinebanking-Konto ihrer getrenntlebenden Ehepartnerin verschafft haben. Das Ganze geschah von der Raumstation ISS aus.

Nach einem halben Jahr auf der ISS kam die NASA-Astronautin Anne McClain am 25. Juni von ihrem Einsatz zurück. Zu diesem Zeitpunkt behauptete ihre Nach-Ehepartnerin Summer Worden, dass sich McClain ungebeten von der Raumstation in das Konto von Worden eingeloogt haben soll. Darüber hat die „New York Times“ berichtet. Aufgefallen war Worden dies, weil ihre Ex-Partnerin über Ausgaben Bescheid gewusst habe, obwohl kein Wort darüber gefallen sei. Daher hatte sie ihre Bank gebeten, die Standorte herauszufinden, von denen sich auf ihr Konto eingeloggt wurde. Einer dieser Computer war bei der NASA registriert gewesen.

Straffällige Astronauten werden nach Recht ihres Herkunftslandes behandelt

Das sie auf das Konto zugegriffen habe, gab McClain auch offen zu. Allerdings ließ sie durch ihren Anwalt mitteilen, sie habe lediglich überprüft, ob alles in Ordnung sei. Im Rahmen der Scheidung seien die Finanzen des ehemaligen Paares noch nicht abschließend getrennt gewesen. Anders sieht dies Worden. Bei der „Federal Trade Comission“ und gegenüber der NASA beschuldigte sie McClain des Identitätsdiebstahls und des illegalen Zugriffs auf ihr Konto.

Die an der ISS beteiligten fünf Raumfahrtbehörden (USA, Russland, Japan, Kanada und Europa) hatten schon vor geraumer Zeit vereinbart, wie mit strafrechtlichen Fragen in der Erdumlaufbahn umgegangen werden solle. Danach wird jeder Beschuldigte nach dem jeweiligen Recht seines Herkunftslandes behandelt. In diesem Fall fällt McClain also in die Zuständigkeit der USA.

McClain streitet illegales Verhalten ab

Unter Eid sei die Astronautin bereits zu dem entsprechenden Vorfall befragt worden. Demnach habe sie angegeben, lediglich das getan zu haben, was sie sonst auch immer tat: sicherzustellen, dass alle finanziellen Angelegenheiten der Familie geregelt sind. Und dafür habe sie die Erlaubnis von Worden gehabt. Ihr Anwalt sagte, das McClain jegliches unerlaubte Verhalten abstreite und sich umfassend kooperativ verhalte.

Vor ihrer Trennung hatten Worden und McClain gemeinsam für den Sohn von Worden gesorgt. Jedoch wollte Worden nicht, dass ihr Kind von McClain adoptiert werde. Trotzdem geht der Streit um das Sorgerecht zwischen den beiden Frauen weiter. Gegenüber der NASA hatte Worden behauptet, McClain habe durch den Zugriff auf das Konto Argumente gegen sie in dem laufenden Sorgerechtsstreit sammeln wollen. Derzeit dauern die Untersuchungen noch an.