Khashoggi in Säure aufgelöst: „Sie wollten sichergehen, dass nichts übrig bleibt“

Der systemkritische Journalist Jamal Khashoggi wurde im saudi-arabischen Konsulat ermordet, das gilt inzwischen als sicher. Neue Beweise sollen belegen, dass seine Leiche in Säure aufgelöst wurde.

Zum Verschwinden Khashoggis im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul werden nach und nach immer mehr schmutzige Details aufgeblättert. Yasin Aktay, ein enger Vertrauter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogans, erklärte in der nationalen Zeitung Hürriyet: „Sie sind den Leichnam losgeworden, indem sie ihn aufgelöst haben“, sagte der Berater Erdogans, „Sie wollten sichergehen, dass nichts von der Leiche übrigbleibt.“

Erdogan macht Saudi-Regierung verantwortlich
Die Washington Post hatte parallel dazu über eine türkische Quelle berichtet, die „biologische Beweise“ im Garten des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul gefunden haben will. Außerdem hatte die Zeitung den türkischen Präsidenten zitiert. Für Erdogan sei es bereits ein Fakt, dass Khashoggis Tötung von „höchster Ebene“ aus initiiert worden sei. In einem Gastbeitrag für die Washington Post schrieb Erdogan: „Wir wissen, dass sich die Täter unter den 18 in Saudi-Arabien festgenommenen Verdächtigen befinden. Wir wissen auch, dass sie kamen, um ihre Befehle auszuführen: Khashoggi töten und abhauen. Schließlich wissen wir, dass der Befehl zur Tötung Khashoggis von den höchsten Ebenen der saudi-arabischen Regierung kam.“ Am Mittwoch hatten erstmals offizielle Quellen der türkischen Justiz bestätigt, dass Khashoggi kurz nach Betreten des Konsulats erwürgt und sein Leichnam im Anschluss zerstückelt worden sei.

Saudi-Arabien: Tat lange geplant
Der 59-jährige saudi-arabische Journalist hatte am 2. Oktober das Konsulat seines Landes betreten und nicht mehr lebendig verlassen. Saudi-Arabien hatte zunächst widersprüchliche Angaben zum Verbleiben Khashoggis gemacht. Zuerst hatte das Königreich gemeldet, Khashoggi hätte das Konsulat lebend verlassen. Später hieß es, er sei am 2. Oktober bei einer „Schlägerei“ im Konsulat getötet worden. Zuletzt räumten offizielle Quellen ein, die Tat könne lange geplant gewesen sein. Eine Verbindung zum Kronprinzen Mohammed bin Salman wird von Saudi-Arabien bis heute bestritten.

Deutschland kündigte Sanktionen an
CIA-Chef John Brennan erklärte im US-Fernsehen, dass er zwar nicht genau wisse, ob der Kronprinz eine solch brutale Tat angeordnet habe. Er gehe jedoch davon aus, dass der Kronprinz „ganz genau wusste, was mit Khashoggi passieren würde und dass er es genehmigt hat“. Auch das EU-Parlament zeigt sich skeptisch und möchte Sanktionen durchsetzen. Deutschland schließt sich an und kündigte einen Stopp von Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien an. Groß-Britannien, Spanien und Frankreich lehnen das Embargo jedoch ab. Für Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron gehen wirtschaftliche Interessen vor. In diesem Kontext erklärte er, Waffenlieferungen hätten „nichts mit Herrn Khashoggi zu tun.“