Kanzleramtschef stellt klar: Corona-Maßnahmen werden deutlich verlängert

Angela Merkel kündigte das Maßnahmenpaket rund um die Kontaktsperre zunächst für zwei Wochen an. Die wären bald schon wieder rum. Das Kanzleramt stellt nun klar: Alle Maßnahmen werden verlängert bis mindestens 20. April.

Familien kämpfen mit ihrem Alltag und die Wirtschaft ächzt unter den bestehenden Maßnahmen, um die Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland zu verlangsamen. Manche hoffen schon auf Lockerungen. Doch Kanzleramtchef Helge Braun (47, CDU) stellt nun klar: Bis mindestens 20. April werden keinerlei Einschränkungen gelockert.

Man hoffe, dass man eine Woche nach Ostern absehen könne, welche Wirkung die Maßnahmen zeigten, um dann einzuschätzen, wie es weitergehen solle. Ziel sei es, die Verbreitung des Virus so weit zu verlangsamen, dass 10-12 Tage verstreichen, bis die Zahl der Infektionen sich verdoppelt. Derzeit geschehe dies in drei Tagen. Was einer Neuinfektionsquote von rund 30% pro Tag entspricht und damit einer noch nahezu ungehemmten Verbreitung.

Trotz der strengen Ansage lobte Braun die Bevölkerung. Die Menschen in Deutschland würden sich vorbildlich an die Regeln halten und er sei davon überzeugt, dass eine Wirkung der Kontakt-Einschränkungen bald sichtbar werde. Dennoch betonte er: Trotz einer hervorragenden Ausstattung könnten die deutschen Krankenhäuser überlastet werden, wenn zu schnell zu viele Menschen erkranken.

Krankenhäuser fürchten Überlastung – auch finanziell
In Erwartung auf den großen Ansturm schwerer Fälle mit Corona-Lungenentzündungen, stehen in deutschen Krankenhäusern rund 28.000 Intensivbetten bereit. Um Kapazitäten frei zu halten, werden alle nicht notwendigen Operationen verschoben. Damit die Kliniken in diesem Wartezustand nicht sofort in die Insolvenz laufen, hat die Bundesregierung einen „Schutzschirm“ über die Einrichtungen gespannt: Die KfW stellt Kredite zur Verfügung und Steuervorauszahlungen wurden herabgesetzt. Zudem erhalten die Krankenhäuser für jedes freigehaltene Bett täglich 560 Euro, zusätzlich fließen jeweils 50.000 Euro für die Ausstattung mit einem neuen Intensivbett und ein Mehrkostenzuschlag für Schutzausrüstung von 50 Euro pro Patient. Auch das Geld für Pflegepatienten wurde von 150 auf 185 Euro erhöht.

Einige Krankenhausträger erkannten die Maßnahmen als wertvollen Beitrag an, der „Verbesserungen erkennbar“ mache. Laut dem Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) sei der Krankenhaus-Schutzschirm der Bundesregierung jedoch „voller Löcher“ und keine „wirklich wirksame Unterstützung“ in der Corona-Krise. Als Beispiel führte er auf, dass jedes neue Intensivbett 85.000 Euro Kosten bei den Kliniken verursache. Ursprünglich wollte Spahn 30.000 Euro davon durch den Bund finanzieren, inzwischen haben man sich auf 50.000 verständigt. Kritisch hinterfragte der VKD: „Wie viel ist uns das Überleben schwerstkranker, beatmungspflichtiger und hochbetagter Patienten wert?“

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