Kalte Progression sorgt für weniger Geld im Portemonnaie des Steuerzahlers

Auch wenn es dieses Jahr ein paar gute Nachrichten gab, so sind die gestiegenen Einkommen und Löhne der Deutschen nur vordergründig ein Segen. Denn über 30 Millionen Menschen werden darunter leiden müssen.

Die Inflationsrate wurde mit den gestiegenen Einkommen und Löhnen ausgeglichen. Diesen Ausgleich muss der Steuerzahler mit barer Münze zahlen. Denn die kalte Progression wird den deutschen Steuerzahler circa 3,3 Milliarden Euro kosten. Diese Information kann man dem Entwurf des Bundesfinanzministeriums für den „Dritten Steuerprogressionsbericht“ entnehmen. Das Papier liegt nun dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor.

32 Millionen Steuerzahler betroffen
Die Rechnung geht also nicht wirklich auf, denn wenn Dienstleistungen und Waren deutlich teurer werden, die Löhne aber nicht proportional ansteigen, steigt auch nicht die Kaufkraft der Verbraucher. Nun ergibt sich beim Tarifverlauf bei der Einkommensteuer ein fataler Punkt, denn es müssen immer noch mehr Steuern an das Finanzamt gezahlt werden.

Daraus folgt der Begriff einer heimlichen oder verdeckten Steuererhöhung. Laut dem Progressionsbericht wird dies um die 32 Millionen Steuerzahler teilweise heftig treffen. So beläuft sich die durchschnittliche Belastung für 2018 auf 104 Euro. Doch damit nicht genug, im nächsten Jahr erhöht sich der Betrag wieder, und beläuft sich auf 3,8 Milliarden Euro. Doch nachträglich soll dies kompensiert werden, gezahlt werden muss jetzt aber.

Tarifänderung kompensiert kalte Progression
Die Bundesregierung will durch Tarifänderung in den kommenden zwei Jahren die Folgen der kalten Progression wiederum kompensieren. Auch das viel gerühmte Familienentlastungsgesetz steuert dem entgegen. In diesem Fall bekommt der Steuerzahler etwas mehr Geld zurück als zuvor angenommen. Ein kleiner Hoffnungsstreifen am Horizont. Denn als der Gesetzesentwurf im Sommer dieses Jahrs erstellt wurde, ging das Finanzministerium noch von höheren Inflationsraten aus.

Laut dem Bericht wurden die Prognosen inzwischen wieder nach unten korrigiert. Und somit werden die Auswirkungen der kalten Progression durch das Familienentlastungsgesetz ein wenig überkompensiert. In allem sieht das Gesetz eine Steuerentlastung um nahezu 10 Milliarden Euro jährlich vor. Neben den Kinderbaugeld, soll auch eine Erhöhung des Kindergeldes geplant sein.

Das Bundesfinanzministerium beschreibt das Phänomen Kalte Progression folgendermaßen: „Von Kalter Progression spricht man, wenn Einkommens- und Lohnerhöhungen lediglich die Inflation ausgleichen und es trotz somit unveränderter Leistungsfähigkeit zu einem Anstieg der Durchschnittsbelastung kommt.“ Steigt etwa das Preisniveau in einem Jahr um 2,5 Prozent und ein Steuerpflichtiger verdient im gleichen Jahr 2,5 Prozent mehr, hat sich an seiner wirtschaftlichen Situation eigentlich nichts geändert. Er muss aber mehr Steuern zahlen, weil er nominal ein höheres Einkommen erzielt.