ISIS-Kämpfer entkommen im Chaos des Kurden-Türkei-Konflikts

Die Bombardierungen der Türkei im Nordirak lösen Chaos aus. Auch in den Gefängnissen. Mehrere ISIS-Terroristen sollen bereits ausgebrochen sein.

Laut einem Bericht des britischen Nachrichtenportals „Independent“ sind nach Bombardierungen der Türkei im Nordirak mindestens fünf ISIS-Kämpfer aus dem Hochsicherheits-Gefängnis Al Hol in der Stadt Kamischli ausgebrochen. Die Information stammt von einem Sprecher der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF).

Offenbar hätten die Bombeneinschläge in der Nähe des Gefängnisses Chaos ausgelöst. Es kam zu Aufruhr unter den Gefangenen. Schließlich hätten mindestens fünf entkommen können.

Auch im berüchtigten Frauen-Zeltlager „al-Hawl“, das rund 70.000 Menschen beherbergt, verschärft sich die Lage. In einem Interview mit dem kanadischen CBC berichtet eine Helferin vor Ort, dass seit der türkischen Offensive die Lager-Versorgung unterbrochen wurde. Tausende, vor allem Frauen und Kinder würden demnach nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt, hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und blieben auf ihrem Müll sitzen. Alexandra Bain, die Direktorin der Organisation FAVE „Familien gegen gewalttätigen Extremismus“ hat vor allem Sorge, dass Verbliebene der Terror-Miliz ISIS die Situation ausnutzen könnten, um das Lager zu „befreien“. Bain glaubt, die meisten Frauen in dem Lager wollten nicht vom ISIS befreit werden, sondern wieder ein Zuhause. Viele seien vor dem ISIS geflüchtet. Wenn dieser das Lager übernehme, drohe ihnen die Todesstrafe.

Seit Wochen gibt es Berichte über das Lager „al-Hawl“: Demnach bilde sich in der überfüllten Zeltstätte ein „kleiner IS“. Extremistische Frauen würden beharrlich die Regeln des Regimes vertreten. Wer sich nicht dazu bekenne, dem drohe Schikane. Beobachter sagen, im Lager herrsche Scharia-Recht und dieses würde mit Gewalt durchgesetzt. Kurdische Soldaten versuchen den IS-Aktivitäten Einhalt zu gebieten. Doch das Lager ist überfüllt. Die Situation ist schon lange kritisch. Mit den aktuellen Bombardierungen droht alles außer Kontrolle zu geraten.

Tausende ausländische Extremisten
Das Lager Al-Hawl beherbergt mehr als 70.000 Menschen, die während der letzten Kämpfe gegen den ISIS, vor sechs Monaten, gefangen genommen wurden. Es ist unübersichtlich, wer wirklich IS-Anhänger ist und wer nicht. Laut UN-Organisation OCHA sind 90 Prozent der Lagerbewohner Frauen und Kinder. Viele sind Syrer, aber unter den Gefangenen befinden sich auch tausende Ausländer, hunderte davon aus Deutschland. Es handelt sich um Extremisten und deren Familienangehörige, deren Heimatländer es verweigern, sie der eigenen Justiz zu überliefern.