Hauptstadtflughafen Tegel geht vom Netz

Für den Flughafen Berlin Tegel dürfte dies das endgültige Aus sein: Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg haben sich darauf geeinigt, dass am 15. Juni der Airport vorübergehend außer Betrieb genommen wird.

Mitten in der Krise geht in der Hauptstadt der wichtigste Flughafen vom Netz. Am 15. Juni kann Berlin Tegel vorübergehend außer Betrieb gehen. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg haben dies in einer Gesellschafterversammlung beschlossen, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen in Berlin. Bei der Luftfahrtbehörde ist der entsprechende Antrag auch schon gestellt. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass der Flughafen überhaupt noch einmal öffnet.

In den nächsten Wochen fällt dann auch die endgültige Entscheidung über die geplante Betriebspause. „Nach der Genehmigung der Luftfahrtbehörde werden wir sehen, ob der verlässliche und sichere Flugbetrieb für die Hauptstadtregion in den kommenden Monaten einen oder zwei Flughäfen braucht“, teilte der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mit. In diesem Zusammenhang werde dann ermittelt, ob eine Offenhaltung Tegels im Zuge der Zunahme des Flugverkehrs möglich ist oder die vorübergehende Schließung wirtschaftlich unvermeidlich sei. Eine bedarfsgerechte Sicherstellung des zivilen Flugverkehrs wie auch der Regierungsflugbetrieb sind allerdings Bedingungen die die Gesellschafter an den Betreiber stellen.

Der Flughafen geht in eine zweimonatige Betriebspause, wenn sich die Passagierzahlen in den nächsten Wochen nicht erholen. Ähnlich hatte auch Paris agiert, als die Stadt am 1. April den Flughafen Orly schloss und alle Flüge zum Flughafen Charles de Gaulle verlegt hatte. In Berlin soll der Flugverkehr auf den Schönefelder Flughafen konzentriert werden, da die Passagierzahlen durch die Corona-Krise massiv eingebrochen waren. Derzeit kämpft die Flughafengesellschaft mit Einnahmeausfällen in dreistelliger Millionenhöhe. Im vergangenen Jahr sind über Tegel 24 Millionen Fluggäste gereist. Damit ist der nach Frankfurt, München und Düsseldorf Nummer 4 der deutschen Standorte.

Wesentlich kleiner ist Schönefeld in Brandenburg an der südöstlichen Stadtgrenze Berlins. Lediglich 11 Millionen Fluggäste waren es dort zuletzt. In der Krise flogen zuletzt nur noch rund 2000 Gäste pro Tag von beiden Flughäfen ab. Seit Mitte März ist denn auch schon das Hauptabfertigungsgebäude von Tegel geschlossen.

Letzte Maschine hebt im November ab

Tegel soll nach der Planung Ende des Jahres endgültig vom Netz gehen. Am 31. Oktober soll nun der Hauptstadtflughafen BER eröffnen und am 8. November die letzte Maschine von Tegel abheben. Das Tegel überhaupt noch einmal ans Netz geht, sieht der Flughafenchef Lütke Daldrup skeptisch.

Die Schließung Tegels entlastet mehrere Hunderttausend Bewohner Berlins vom Fluglärm. Aber gerade wegen seiner kurzen Wege in den Terminals und der Nähe zur Innenstadt hat der Flughafen auch viele Freunde. Ein Volksentscheid von 2017 brachte eine Mehrheit für einen Weiterbetrieb parallel zum BER. Jedoch hat das Votum keine Gesetzeskraft.

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