Großangelegte Razzia gegen Rocker im Ruhrgebiet

Mehrere Spezialeinsatzkommandos mit schwer bewaffneten Beamten schlagen zeitgleich los. Um 5 Uhr startet die Razzia. Sie überraschen Verdächtige im Schlaf und rammen Türen auf. 43 Häuser wurden im Morgengrauen von mehr als 500 Einsatzkräften der Polizei in elf Städten in Nordrhein-Westfalen gestürmt. Dabei stand die irakische Rocker-Organisation „Al-Salam-313“ im Visier der Fahnder.

Der Vorwurf gegen diese Vereinigung lautet unter anderem auf Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, illegale Schleusungen, Passfälschungen und Straftaten im Bereich der Drogenkriminalität. Bei dem Einsatz waren neben den Spezialeinheiten auch Staatsschutz-Fahnder, Ermittler gegen Organisierte Kriminalität wie auch mehrere Hundertschaften im Einsatz. Verdächtigt werden die irakischen Rocker, Milizen in ihrem Heimatland illegal mit Geld unterstützt zu haben. Die Durchsuchungen sollen unter anderem auch klären, ob sie dabei auch terroristischen Gruppen geholfen haben. Polizeisprecher Christoph Wickhorst: „Es geht bei der Aktion um das Auffinden von Beweismitteln, Festnahmen sind bislang nicht geplant.“

Das Ruhrgebiet und das Rheinland liegen dabei im Mittelpunkt der Razzia. Auch der selbsternannte World-Präsident der „Al-Salam“-Rocker, auf deren Kutten die Zahl „313“ prangt, Mohammed M., bekam in Essen Besuch vom SEK.

Sie selbst nennen sich „Krieger Mohammeds“

Die Kombination der Zahlen hat hier eine religöse Bedeutung. Die muslimische Glaubensrichtung der Schiiten glauben dabei, dass Muhammad al-Mahdi, ein verborgener Imam, mit 313 Gefährten auf die Erde zurückkehren wird. Übersetzt heißt Mahdi der Erlöser. Im Islam wird dieser als eine Art Messias angesehen. Ein Ermittler: „Sie nennen sich deshalb auch Gefährten oder Krieger Muhammads.“

Eigentlich bedeutet das arabische Wort „al-Salam“ Frieden, daher dient der Gruppierung neben der 313 auch eine Friedenstaube als Symbol. Allerdings zeigt sich die Gruppe nach Angaben der Polizei alles andere als friedlich. In der Vergangenheit ist es zwischen den Rockern und Mitgliedern libanesischer Clans bereits zu Auseinandersetzungen gekommen, auch sollen sie illegalen Waffenhandel betreiben. Die Einsatzleitung befürchtet denn auch, dass die Rocker bewaffnet sein könnten, was den massiven Einsatz von Elitepolizisten des SEK rechtfertigen soll.

Gruppierung mit Verbindungen zum alten Saddam-Regime

Mitglieder der „Al-Salam“-Rocker sollen außerdem in der Vergangenheit Kontakte zur Leibgarde von Saddam Hussein gehabt haben. Aber auch zur derzeitigen Regierung in Bagdad haben einige Mitglieder scheinbar gute Verbindungen. Das Ganze erinnert stark an die „Nachtwölfe“, eine russische Rockergang mit besten Verbindungen zum russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

Trotz langwieriger Ermittlungen ist bisher nicht eindeutig klar, was die irakischen Rocker für Ziele in Deutschland verfolgen. Daher sollen die aufwändigen Durchsuchungen und die Beweismittelsicherung nun Aufschluss darüber geben, was hinter der streng organisierten und abgeschotteten Organisation steckt.