Genmanipuliert nach Wunsch: Erste Designer-Babys geboren

China verkündete die Geburt zweier Designer-Babys. Die Versuche dienten dazu, einen HIV-resistenten Menschen zu produzieren.

Der chinesische Forscher He Jiankui gab gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press bekannt, er habe das Erbgut von zwei weiblichen Zwillingen gezielt verändert. Das Verfahren nennt sich Crispr-Cas9 und sorgt für Furore in der Welt der Wissenschaft. Wenn der Menschenversuch hält, was er verspricht, wäre damit erstmals ein Mensch geboren, der aufgrund von Genmanipulation resistent gegen AIDS bzw. die vorhergehende HIV-Infektion ist.

Gesunde Mutter, HIV-infizierter Vater
He habe im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Southern University of Science and Technology of China in Shenzhen die Embryonen von sieben Paaren behandelt. Es handelte sich dabei um Paare die unter einem unerfüllten Kinderwunsch litten, mit einer gesunden Mutter und einem mit HIV-infizierten Vater. Nur eine von den Teilnehmerinnen sei schwanger geworden und habe die Babys inzwischen geboren. Die beiden Chinesinnen Lulu und Nana seien „vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby“ zur Welt gekommen, heißt es in chinesischen Medienberichten.

Erbkrankheiten besiegen oder produzieren?
Befürworter der Technik schwärmen bei der Vorstellung, man könne mit Crispr-Cas9 Gendefekte im Embryo reparieren und damit schwere Erbkrankheiten wie Mukoviszidose, Sichelzellanämie oder Muskeldystrophie verhindern, erklärte der SPIEGEL.

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft kann jedoch noch nicht gewährleistet werden, dass die Genmanipulation keine unerwünschten Nebeneffekte hat, schreibt die WirtschaftsWoche und diese Effekte könnten sich möglicherweise vererben.

Die Forschungen stoßen auf Empörung
Die Meldung des Versuchs sei ein „Weckruf für die internationale Gemeinschaft“, sagte Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates. „Unabhängig davon, wie man genverändernde Eingriffe am menschlichen Embryo zum Zwecke der Forschung bewertet, hält es die überwältigende Mehrheit der Forscher schon aus wissenschafts-ethischen Gründen für unverantwortlich, zum jetzigen Zeitpunkt mit Crispr veränderte Embryonen für die Fortpflanzung zu verwenden.“

Auch der Deutsche Ethikrat zeigt sich empört: „Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche“, erklärte Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. „Ob es stimmt oder nicht, was der chinesische Forscher He behauptet: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind solche Versuche und auch Ankündigungen auf Schärfste zu kritisieren.“

„Das ist gewissenlos“, kritisierte Gen-Experte Kiran Musunuru von der Universität Pennsylvania. „Wir haben es hier mit der Bedienungsanleitung von menschlichen Wesen zu tun. Das ist eine große Sache.“