Geflügel ist so ungesund wie rotes Fleisch

Geflügelfleisch gilt landläufig als gesunde Eiweißbombe. Doch eine vor kurzem veröffentlichte Studie räumt nun mit diesem Aberglauben auf. Weißes Fleisch ist für den Cholesterinspiegel genauso schädlich wie rotes Fleisch.

Für Krankheiten wie Herzinfarkt, Krebs oder Diabetes ist bisher das rote Fleisch als Sündenbock herangezogen worden. Hingegen kam das Fleisch vom Geflügel nahezu ungeschoren davon, wenn es um eine gesundheitliche Abwägung ging. Man sah vor allem eine gesunde Alternative in dieser Art von Fleisch, wenn es um die Vermeidung von zu viel Cholesterin im Blut ging. Und auch wegen seines hohen Eiweiß- und geringen Fettgehalts liegt Geflügelfleisch bei Fitness-Fans hoch im Kurs. Aber dies scheint nun passé zu sein. Denn neueste Studien zeigen, dass beide Fleischsorten eine ähnlich schädliche Auswirkung auf das Blutbild haben.

Bisher galt nur rotes Fleisch als Krankmacher

Bislang führte man erhöhte Cholesterinwerte im Blut vor allem auf einen übermäßigen Konsum von, vor allem im roten Fleisch enthaltenen, gesättigten Fettsäuren zurück. Dementsprechend machte man diesen Konsum auch für Herzerkrankungen und Schlaganfälle verantwortlich. Seit 2015 führt die WHO rotes Fleisch sogar als krebserregend an. Somit war weißes Fleisch immer als gesunde Alternative betrachtet worden.

Geflügel erhöht den Cholesterinspiegel ebenfalls stark

Forscher der University of California in San Francisco untersuchten nun in einer Studie, wie sich diese verschiedenen Ernährungsweisen auf den schlechten Cholesterin-Spiegel LDL auswirkten. In einer Testreihe sind mehr als 100 gesunden Männern und Frauen im Alter zwischen 21 und 65 Jahren dabei in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Diese unterzogen sich jeweils einen Monat lang drei unterschiedlichen Testdiäten mit roten oder weißem Fleisch oder vegetarisch.

Dazwischen war es den Teilnehmern erlaubt, normal Nahrung aufzunehmen. Von den Forschern wurde das Essen während der Diäten gestellt. Rindfleisch war Hauptquelle für das rote Fleisch, Hühnchen für das Weiße. Zu Beginn und Ende der jeweiligen Diätform wurde den Probanden Blut abgenommen, welches ausgewertet und verglichen wurden. „Als wir unsere Studie planten, erwarteten wir, dass sich rotes Fleisch negativer auf den Cholesterinspiegel auswirken würde als Geflügel. Umso überraschter waren wir, als dies nicht der Fall war“, erzählt Studienautor, Dr. Ronald Krauss, Leiter der Arterioskleroseforschungsabteilung am Children’s Hospital Oakland Research Institute und Professor der Medizin an der University of California San Francisco.

Pflanzliche Proteinquellen sind deutlich gesünder

Aus den Proben ging hervor, dass die LDL-Spiegel für rotes und weißes Fleisch identisch waren. Teilnehmer, die die Proteine aus pflanzlichen Nahrungsmitteln bezogen, hatten hingegen einen deutlich niedrigeren LDL-Spiegel. Somit konnte die die cholesterinsteigernde Wirkung unabhängig von der Ernährung mit weißem oder rotem Fleisch nachgewiesen werden.

Die bisher allgemein gültige Aussage, Geflügel mit weniger gesättigten Fettsäuren dem roten Fleisch vorzuziehen, scheint somit hinfällig. Die Forscher empfehlen daher zur Proteinaufnahme eher auf pflanzliche Eiweiße (etwa Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, Quinoa, Nüsse und Saaten) zu setzen, da diese für den Cholesterinspiegel am gesündesten sind.