Frau erhält neue Lunge durch Organspende und stirbt an Lungenkrebs

Eine Frau mit Mukoviszidose erhielt eine Spenderlunge. Anderthalb Jahre später starb sie an Lungenkrebs.

Eine Französin, die unter der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose litt, war dringend auf eine Lungentransplantation angewiesen. Als endlich eine Spenderlunge gefunden war, sollte für die Französin ein neues Leben beginnen. Sie erhielt jedoch die Lunge einer langjährigen Raucherin und starb anderthalb Jahre später an Lungenkrebs.

Mediziner berichteten in Fachzeitschrift „Lung Cancer“ über den tragischen Fall. Demnach sei die Frau seit ihrer Kindheit von der Stoffwechsel Krankheit Mukoviszidose geplagt gewesen. Im November 2015 erhielt sie schließlich eine eigentlich lebensrettende Lungenspende. Doch die Spenderin hatte laut den medizinischen Daten 30 Jahre lang jeden Tag eine Schachtel Zigaretten geraucht. Im Sommer 2017 starb die Empfängerin des Organs an Lungenkrebs. Die Mediziner erklärten, dass die Symptome ihrer Erkrankung typisch für durch Rauchen ausgelösten Lungenkrebs gewesen seien. Da die erste Symptome in zeitlicher Nähe zur Organspende auftraten, könnte es gut möglich sein, dass der Krebs bereits zu Lebzeiten der Spenderin ausgelöst worden war. Unregelmäßigkeiten bei Röntgenaufnahmen der Lunge deuteten ebenfalls darauf hin, so die Fachleute.

Krebs-Erkrankung durch Medikamente befördert
Medikamente zur Unterdrückung der körpereigenen Immunabwehr (Immunsuppressiva) hätten die Entwicklung der Krebserkrankung befördert, schreiben die Mediziner in der Fachzeitschrift. Empfänger von Spenderorganen werden mit Immunsuppressiva behandelt, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Eine kanadische Studie aus dem Jahr 2016 zeigte auf, dass Empfänger von Organspenden ein doppelt so hohes Risiko tragen, an Krebs zu erkranken, als andere Menschen. Besonders häufig trat Lungenkrebs auf. Andere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Organspende von Rauchern kritisch
Die Experten nahmen den Fall zum Anlass, um vor Transplantationen von Raucher-Spendern zu warnen. Die Autoren geben zu bedenken, dass geprüft werden müsse, ob es überhaupt Sinn mache, die Organe von Rauchern oder Spendern die gerade erst mit dem Rauchen aufgehört haben, zu transplantieren. Da Lungenkrebs eine lange Inkubationszeit hat, besteht hier ein besonders hohes Risiko, dass die Empfänger am Krebs erkranken, der im Körper des Spenders seinen Anfang nahm.

Erfolgsaussichten in Deutschland
Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hätten Organspenden grundsätzlich „sehr gute Erfolgsaussichten“. Beispielweise funktionierten in Deutschland fast 90 Prozent der transplantierten Nieren noch nach einem Jahr, nach fünf Jahren seien es noch etwa 75 Prozent. Bei Herzen liege die Erfolgsquote nach einem Jahr bei fast 80 Prozent. Nach fünf Jahren würden noch 65 Prozent der Spenderherzen funktionieren.