Fiese Betrugsmasche – Erpresser verlangen Geld für vermisste Haustiere

Haustiere sind für viele Menschen wie eigene Kinder. Umso mehr schmerzt der Verlust. Um das geliebte Tier wiederzufinden, würden die meisten alles tun. Dies machen sich Betrüger zu nutze.

Beim Gassigehen passierte es. Nur kurz ließ Gabriele Schwebig ihren Dackel Schnipsel an der Havel vorlaufen. Doch dies reichte und der Hund lief ins Schilf um zu trinken. Danach tauchte er nie wieder auf. Bereits zwei Monate ist dies her und die Tochter organisiert mittlerweile die Suche. Besonders dreist: In dieser Zeit gab es mehrere Erpressungsversuche, die der alten Frau zu schaffen machen.

„Bereits vier Mal wurden wir von verschiedenen Personen aufgefordert, Geld zu zahlen, damit wir Schnipsel wiederbekommen“, berichtet die Tochter, die Studentin der Tiermedizin ist. In einem Schreiben wurden 1.000 Euro von einem Erpresser gefordert, ein weiterer sei angeblich mit dem Tier bereits in Österreich und nur durch Überweisung einer größeren Summe sei ein Transport nach Berlin möglich.
„Wir denken, dass der Hund eigentlich gestohlen wurde“, sagt Schwebig. Suchhunde, die die Familie einsetzen ließen, konnten die Spur bis zu einem Parkplatz verfolgen. „Dort hat wahrscheinlich jemand Schnipsel in seinem Auto mitgenommen.“

Opfer werden von den Betrügern im Internet gesucht

Diese Erpressungsversuche kennt man bei dem Verein Tasso, wo man Tiere registrieren lassen kann, damit Finder schneller den Halter ermitteln können. „Die Betrüger durchsuchen im Internet systematisch Suchmeldungen zu vermissten Tieren, in denen private Kontaktdaten, insbesondere Telefonnummern der Halter angegeben sind. Unter gefälschten Telefonnummern rufen sie bei den Betroffenen an und geben vor, unter anderem im Auftrag von Tierkliniken, Tierheimen oder Rechtsanwälten anzurufen, zu denen das Tier gebracht worden sei. Der Halter könne es dort gegen eine Gebühr abholen“, erläutert Laura Simon vom Verein die Masche.

Auch wird immer wieder behauptet, das verletzte Tier sei behandelt worden und die Kosten müssen erstattet werden, bevor man das Tier bekomme. Auffällig ist, das die Betrüger oft eine Vorabzahlung verlangten. „Auch das öffentliche Ausschreiben eines Finderlohns kann leider dazu beitragen, Betrüger auf den Plan zu rufen, sodass eine solche Vorgehensweise nicht zu empfehlen ist“, sagt Simon.

Die Familie Schwebig hat einen Finderlohn von 500 Euro ausgesetzt. Bisher haben sie für die Suche bereits rund 1.600 Euro ausgegeben. Aber sie sind glücklicherweise nicht auf die Betrugsversuche eingegangen. „Wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet, doch dort hat man uns keine Hoffnung gemacht“, sagte die Tochter. Laut Berliner Polizei stellen Tierdiebstähle kein größeres Problem dar. Zwar kommt es immer wieder vor, dass es Erpressungsversuche gibt, diese werden aber in keiner zentralen Statistik aufgeführt. „Man hört hin und wieder von Hunden, die verschwinden, während sie vor Supermärkten angebunden sind. Manche werden tatsächlich auch aus den Wohnungen oder Gärten entwendet“, sagt Tasso Griep vom Deutschen Tierschutzbund.

Suche nach Schnipsel geht weiter

Laura Simon empfiehlt, bei einer Suche nach einem Tier nie seine privaten Kontaktdaten anzugeben, weder bei Facebook noch generell im Internet. Über Suchplakate können Finder Kontakt mit den Vereinen aufnehmen. In 2018 gab es 107.000 entlaufene Tiere, darunter 38.500 Hunde. Davon konnte rund 88.000 vermittelt werden.

Auch die Bundestierärztekammer gibt Hinweise, was man im Verlsutfalle tun kann und wie es sich vor allem vorbeugen lässt. „Freilauf in einem uneingezäunten Gebiet sollte einem Hund nur gewährt werden, wenn er eine Grunderziehung genossen und eine Bindung zu seinem Besitzer aufgebaut hat“, so die Kammer.

„Schnipsel war nicht angeleint, weil sie absolut keinen Jagdtrieb hatte und man sich hundertprozentig auf sie verlassen konnte, das hat einfach das jahrelange Verhältnis zu diesem Hund bewiesen“, sagt Maxi Schwebig. Da die Mutter noch nicht über den Verlust hinweggekommen ist, sucht die Familie weiter nach Schnipsel. „Sie hat schon zehn Kilo abgenommen, kann kaum noch essen und schlafen. Schnipsel war für sie wie ein zweites Kind.“