Einwohner haben genug vom Massentourismus

In die malerische Ortschaft Hallstatt kommen so viele Touristen, dass der kleine Ort nun die Reißleine ziehen muss. Radikale Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass das Albtraumdorf wieder zum Traumdorf wird.

Dabei ist das Dorf nicht viel anders als andere, doch die Geschichte des Dorfes wurde für viele Touristen und Influencer zum Ort der Sehnsucht.
Vor etwa 5 Jahren hatte sich plötzlich der Tourismus in dem beschaulichen 800-Seelen Dorf mit einem Mal geändert. Plötzlich erschienen einige Chinesen und fotografierten, nahmen Maß und zeichneten. Das Dorf mit der schönen Alpenkulisse wurde dann in China maßgetreu nachgebaut. Und obwohl es das Dorf jetzt auch in China gibt, rollen immer mehr Reisebusse mit massenweisen Touristen an.
Das Dorf gehört dem Unesco-Welterbestatus an, doch der sogenannte Overtourismus ist jetzt einfach zu viel.

„Ein Haufen Leut, aber ka Gschäft“
Obwohl Restaurants und Hotels sich eine goldene Nase verdienen, sind die anderen Geschäfte kurz vor dem Konkurs. Sandra Derbl hat einen Souvenirladen, direkt am Hauptplatz, doch die Kunden kommen nicht mehr. Das Problem sind die Bus-Touristen, welche gerade mal ein paar Stunden in Hallstadt anhalten, schnell was essen und dann geht es ab in den Bus zu der nächsten Attraktion.
Viele der asiatischen Touristen haben im Schnitt gerade mal 10 bis 11 Tage Urlaub pro Jahr. Eine Reise nach Europa ist dann ein wahrer Marathon. Und so werden Orte wie Heidelberg, Wien, Schloss Neuschwanstein und auch Hallstadt eben im Schnelldurchlauf besucht.

Overtourismus im Dorf
Die Zahlen sprechen für sich. Im Jahr 2018 kamen nahezu 20.000 Reisebusse in das Dorf. Dazu noch knapp 200.000 Autos, macht circa 1 Millionen Besucher pro Jahr. Doch nicht über das ganze Jahr, sondern vor allem in den Sommermonaten.
Jetzt hat das Dorf genug und einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt. Ab dem Frühjahr 2020 wird zum Beispiel ein Slot-System in Kraft treten, damit soll die Zahl der Reisebusse kontrolliert werden.

Die Bürger von Hallstadt versuchen sich derweil selbst ein wenig zu helfen. Verbotsschilder und Absperrketten sollen dabei helfen die Touristen in „Schach zu halten“. Ein älteres Pärchen nutzt eine Kette, damit sie auf ihrem Grundstück auf der Bank vor ihrem Haus den Sommer genießen können.