Deutsche Tankstellen schließen, weil der Nachschub ausbleibt

Kaum zu glauben, aber wahr. Erste Tankstellen in Deutschland mussten den Betrieb einstellen, weil sie tagelang nicht beliefert werden können.

Tankwart Rolf Hammes berichtete gegenüber der „Rhein-Zeitung“, dass er seinen Betrieb tagelang einstellen musste, weil ihm der Brennstoff ausging. Erst war der Diesel alle, am Tag drauf das Benzin. Es dauert drei Tage bis der Tankwagen nachlieferte. Eine Tankstelle ohne Benzin: „Das ist der Super-Gau“, sagt Hammes der Regionalzeitung.

Die Nachrichten-Redaktion von n-tv.de ging dem Phänomen weiter auf den Grund und fragte beim Tankstellen-Interessenverbands (Tiv) nach. Die Logistik für die Belieferung der Tankstellen sei derzeit gestört, sagt Herbert Rabl, Sprecher des Tiv. Es war ihm jedoch wichtig klarzustellen, dass das Problem aufgrund von Lieferengpässen entstehe, „Es gibt keine allgemeine Benzinknappheit“, sagt Rabl n-tv.de. Laut Recherchen der News-Plattform gäbe es von Aachen an der deutsch-belgischen Grenze über das Rheinland bis in Teile Österreichs Berichte von Tankstellen, denen einzelne Spritsorten ausgehen oder die ganz schließen müssen, weil Tanklaster keinen Nachschub mehr brächten.

Produktionsausfälle und Trockenheit
Laut Rabl soll es zwei Gründe für die Lieferengpässe geben. Erstens sei Anfang September eine Raffinerie in Bayern ausgefallen, nachdem es dort zu einer Explosion gekommen war. (News64 berichtete) Durch den Großbrand kam es zu einem Produktionsausfall, den die Branche ersetzen musste. Zweitens kam die Dürre hinzu. Donau und Rhein stehen so extrem im Niedrigwasser, dass Tankschiffe nur noch mit etwa 20 Prozent ihrer Kapazität beladen werden können. Dadurch werde es immer schwerer den Produktionsausfall in Süddeutschland auszugleichen.

Strategische Ölreserven freigegeben
Der Bund verfügt über Ölreserven um Engpässe überbrücken zu können. Diese wurden nun zur Belieferung der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg freigegeben, um einen wirtschaftlichen Schaden zu verhindern. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sollen die Bundesländer 270.000 Tonnen der strategischen Ölreserven abzapfen dürfen. Weiter informiert das Ministerium auf seiner Website, dass mit den bis dato vorhandenen Ölreserven für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden konnte. Dort heißt es, gemäß § 12 Absatz 1 des Erdölbevorratungsgesetzes „sind Freigaben unter anderem zulässig zur Verhütung unmittelbar drohender oder zur Behebung eingehender Störungen in der Energieversorgung; Abwehr eines beträchtlichen und plötzlichen Rückgangs der Lieferungen von Erdöl oder Erdölerzeugnissen sowie zur Erfüllung von Pflichten auf Grund eines Beschlusses des Verwaltungsrates der Internationalen Energieagentur“.