Der Killer von Halle ist gefasst – die Chronologie des Anschlags auf Video

Ein rechtsextremer Schütze tötete zwei Menschen in Halle und verletzte zwei Weitere schwer. Er handelte offenbar allein, zeichnete jedoch alles auf und streamte live im Internet.

Der Todesschütze von Halle ist gefasst. Es handelt sich um Stephan Balliet, einen 27-jährigen Deutschen aus Eisleben in Sachsen-Anhalt. Offiziellen Meldungen zufolge, handelte der Mann alleine. Da er seine Tat filmte und im Internet streamte, ist die Chronologie seines Terrors inzwischen weitestgehend bekannt.

Chronologie des Halle-Anschlags
In Balliets Livestream, den er über eine Helmkamera erzeugt, zeigt der junge Mann das Innere seines Mietwagens, vollbepackt mit einem umfangreichen, teils selbst gebauten Waffen- und Munitionsarsenal. Danach ist zu sehen, wie Balliet Sprengsätze an der Synagoge anbringt und versucht, die Eingangstüre aufzuschießen.

In dem jüdischen Gebetshaus befinden sich 51 Menschen. Über eine Überwachungskamera können Einige sehen, wie der Schwerbewaffnete im Kampfanzug versucht, ins Gebäude einzudringen. Die Polizei ist laut Vorsitzendem der Gemeinde, erst 10 Minuten später vor Ort.

Balliet gelingt es nicht, sich Zutritt zur Synagoge zu verschaffen. Er ist hörbar gefrustet und erschießt eine Passantin.

Dann fährt Balliet zu einem Döner-Bistro, ermordet dort einen Mann und gerät in einen Schusswechsel mit der Polizei. Balliet wird verletzt und flüchtet.

Als nächstes schlägt Balliet in einer Werkstatt Landsberg auf und fordert das Personal auf, ihm ein Auto zur Verfügung zu stellen. Als ein Handwerker sich wehrt, wird auch dieser angeschossen. Der Mann wird schwer verletzt und schwebte bis in die Nacht hinein in Lebensgefahr.

Balliet klaut schließlich das Auto, ein Taxi, und fährt damit Richtung A9. Unterwegs kollidiert der Killer mit einem Lkw. Infolge dessen gelingt es der Polizei, den 27-Jährigen festzunehmen.

Balliet filmte die Tat und teilte Details seines Plans
Sicherheitskreise sprachen von einem „Einzeltäter“. Allerdings stellte der Schütze umfangreiches „Infomaterial“ über sein Vorgehen ins Netz. Englischen Medien zufolge teilte Balliet mit einem interessierten Klientel Informationen über selbstgebaute Waffen, differenzierte Ziele der Attacke, ideologische Botschaften sowie einen Link zum Live-Video der Tat.

Teils deutsch, teils englisch kommentierte Balliet das Geschehen und seine Sicht auf die Welt. Dabei bezeichnet er sich selbst als Holocaust-Leugner und erklärt, dass Feminismus und Migration das Übel der Welt darstellten. Das Judentum stehe, so Balliet, an der Spitze dieser Probleme.

Innenminister Horst Seehofer sagte am Mittwochabend: „Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse müssen wir davon ausgehen, dass es sich um einen antisemitischen Angriff handelt.“