Darum blieb die zweite Infektionswelle bislang aus

Laut waren die Warnungen und groß die Angst. Bei einer Lockerung der Corona-Maßnahmen werde die zweite Infektions-Welle unweigerlich kommen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von der CDU sagte am 30. April, dass es solange wie es keinen Impfstoff gegen die Seuche gebe, „jederzeit die eines Rückfalls oder einer zweiten Welle“, drohe. Und auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte noch am 5. Mai, das bald alles erlaubt würde, „mit der Bitte, dabei eine Maske zu tragen und Abstand zu halten“, käme „das exponentielle Wachstum rasch zurück und wir gehen in die zweite Runde“.

Doch seitdem die Maßnahmen gelockert wurden, blieb eine zweite Welle bislang aus. In einem nach dem anderen Bundesland wurden seit Mitte Mai wieder die Gaststätten, Restaurant und auch Sportanlagen eröffnet. Busse und Züge wurden wieder häufiger genutzt und auch immer mehr Kinder kehren in die Schulen zurück. Hingegen ging die Zahl der aktive Corona-Fälle von über 32.000 im vergangenen Monat auf unter 10.000 zurück.

Wie kann das sein?

Masken spielen bei dieser Entwicklung eine wesentliche Rolle. Die Wirksamkeit der Maskenpflicht wurde erst kürzlich in einer Studie im renommierten „Science“-Magazin noch einmal bestätigt. Wissenschaftler aus Taiwan und den USA schreiben darin: „Aus epidemiologischen Daten geht hervor, dass Länder, die die Verbreitung von Covid-19 am wirksamsten reduziert haben, eine universelle Maskierung implementiert haben“.

In einer internen Sitzung bezeichnete Kanzlerin Angela Merkel noch Anfang April die Masken als „Virenschleudern“. Nach einem langen Zögern empfahlen dann die Regierungsberater vom Robert-Koch-Institut doch ein Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit.

Doch bleibt es weiterhin wichtig, sogenannte „Superspreader“-Events zu vermeiden, um die Fallzahlen niedrig zu halten. Diese Großveranstaltungen haben das Potenzial, dass eine infizierte Person mehrere Hundert Mitmenschen ansteckt. „Die meisten Fälle weltweit und insbesondere die meisten Todesfälle ereigneten sich nach Superspreader-Ereignissen“, wird der Virologe Hendrik Streeck von der Uni Bonn durch das „Wall Street Journal“ zitiert.

Auch bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Corona-Zahlen zwar sinken, aber immer noch die Epidemie-Notlage in der Bundesrepublik gilt. Somit hat die Bundesregierung auch mehr Macht als vor der gesamten Krise. Und so fordert der Innenexperte der FDP, Konstantin Kuhle, „die epidemische Lage von nationaler Tragweite für beendet zu erklären. Die derzeitige Lage rechtfertigt keine Sonderrechte für die Regierung am Parlament vorbei.“

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