Ärztliche Leistung steht vor dem Aus, weil die Kassen zu wenig zahlen

Für Patienten, die ihr Haus aus gesundheitlichen Gründen nicht verlassen können, ist diese Entwicklung eine Katastrophe: Der ärztliche Hausbesuch steht auf der Kippe, weil Ärzte und Kassen sich nicht einigen können.

Wie die Ärztezeitung berichtet, stehen Hausbesuche auf der Kippe, weil Kassen und Ärztevereinigung keine Einigung finden. Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fordert eine höhere Vergütung für Hausbesuche. „Wenn wir die Vergütung für Hausbesuche nicht deutlich anheben, werden sie perspektivisch nicht mehr stattfinden können“, sagte KVB-Chef Dr. Andreas Gassen der dpa. „Das Versorgungsproblem zeichnet sich schon am Horizont ab.“

In den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband zeichnete sich keine Einigung ab. Dabei sei die Vergütung von Hausbesuchen dringend aufzustocken, so die KVB. Für Ärzte seien Hausbesuche sonst nicht mehr rentabel. Wie Gassen erklärt, würde die Dienstleistung bisher mit rund 23 Euro vergütet. „Plus Fahrpauschale reden wir von einer Größenordnung von 25 Euro.“, so der KVB-Chef. Wie die Ärztezeitung berichtet, sei die KVB bereit, sich auf eine Vergütung von 30 Euro einzulassen.

Hausbesuche unrentabel
Gassen erläuterte, dass ein Arzt für die Hausbesuche seine Praxis schließen müsse und deswegen auf eine entsprechend höhere Vergütung angewiesen sei. „Er ist ja unterwegs. Aber die Kosten laufen weiter.“ Wenn keine Einigung mit dem GKV-Spitzenverband gefunden werde, würden „die Kollegen, die ihre Patienten nicht im Stich lassen wollen“ darunter leiden „und die Patienten, die keine Ärzte mehr finden, die wirtschaftlich darstellbar Hausbesuche machen“ sagte der KVB-Chef mit Hinblick auf die stagnierenden Verhandlungen.

Fiktive Stundenhonorar deutlich höher
Der GKV-Spitzenverband wehrt sich gegen die Vorwürfe: Mit den 23 Euro habe die KBV leider nur den Zuschlag für einen Hausbesuch genannt. Hinzu kämen jedoch noch die Vergütung der eigentlichen ärztlichen Leistung sowie Pauschalen für Zusatzleistungen, erläuterte die Abendzeitung München mit Bezug auf GKV-Verbandsprecher Florian Lanz. Wenn man alles zusammen rechne, kämen Ärzte auf 86 Euro pro Hausbesuch am Tag. Abend- und Nachtbesuche würden sogar mit bis zu 131 Euro vergütet. Lanz geht außerdem davon aus, dass Ärzte mehrere Hausbesuche innerhalb einer Stunde machten und somit ein noch deutlich höheres Stundenhonorar hätten.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken geht hervor, dass Hausbesuche in den letzten Jahren dramatisch abgenommen haben. Demnach fanden 2009 noch über 30 Millionen Hausbesuche statt. 2017 waren es unter 25 Millionen.