Nora Fingscheidt ging durch "Systemsprenger"-Dreh gestärkt hervor

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Regisseurin Nora Fingscheidt ist gestärkt aus der Arbeit an ihrem Spielfilmdebüt „Systemsprenger“ hervorgegangen. Der Film erzählt von einem Kind, das durch das Raster der Jugendfürsorge fällt: „Das Kino dominiert mein Leben, und ich hatte deshalb immer ein schlechtes Gewissen, weil ich all das auch meinem Sohn aufzwinge“, sagte Fingscheidt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Inzwischen sei ihr klar, „dass alles in Ordnung ist: Ich liebe ihn, auf mich ist Verlass, das weiß er auch; und darauf kommt es an“, so die Regisseurin weiter.

„Systemsprenger“ habe sie am Ende eher entlastet. Während der Recherche für den Film war das noch ganz anders: „Irgendwann konnte ich nicht mehr Bus fahren, ohne überall Kindesmisshandlung zu sehen. Meine Welt hat sich in einer Weise verdüstert, die für mich und meine Familie nicht mehr gesund war, und ich habe mich bei dem Gedanken erwischt, dass ich all die Kinder am liebsten adoptieren würde – was ich natürlich nicht kann. Da habe ich einen Cut eingelegt und erst mal einen ganz anderen Film gedreht“, sagte Fingscheidt. Für die Vorbereitung von „Systemsprenger“ arbeitete die Regisseurin wochenlang in verschiedenen Institutionen und wohnte zum Teil auch dort – im Kinderheim, der Kinderpsychiatrie, einer Schule für Erziehungshilfe und einer Inobhutnahme-Stelle. Dort habe sie versucht, „so tief wie möglich in den Alltag einzutauchen“, sagte Fingscheidt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Film wurde bei der Berlinale bereits mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet und ist deutscher Kandidat für eine Oscar-Nominierung.

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